Noch einen aktuellen Buchtipp habe ich: "Gottes leere Hand" von Marianne Efinger, erschienen im Bookspot Verlag (19,80 €). Ein kluges Buch, ein gutes Buch, ein Buch, das nachdenklich stimmt - und Fragen wie "Dauerdiäten" doch ziemlich traurig aussehen lässt. Worum geht es? Der Wissenschaftsjournalist Manuel Jäger wurde mit Glasknochen geboren und landet zum x-ten Mal in seinem Leben dort, wo er nicht sein will: im Krankenhaus. Dort lernt er die Krankenschwester Dagmar kennen, die ihn eigentümlich fasziniert, weil sie ihn an seine bei einem Unfall getötete große Liebe Lenora erinnert. Doch sein Aufenthalt im Marienhospital steht von Anfang an unter keinem guten Stern. Als er sich eine Erkältung zuzieht, die für ihn lebensgefährlich ist, da er wegen seiner Glasknochen den Schleim nicht abhusten kann, beginnt für Manuel ein Kampf auf Leben und Tod.Nach einem akuten Anfall von Atemnot findet sich Manuel Jäger in der Notaufnahme des Marienhospitals wieder. Aufgrund seiner Glasknochen war er schon oft in Krankenhäusern und will dort nicht bleiben, doch sein bester Freund Lothar besteht darauf, dass er sich gründlich untersuchen lässt. Von Anfang an läuft für Manuel alles schief: Nach dem Röntgen vergisst man ihn auf einem zugigen Flur, eine Lernschwester wendet ein Medikament falsch an und er wird in ein Dreibettzimmer mit ungehobelten Mitpatienten gepfercht. Ignorante Ärzte, überforderte Krankenschwestern und die Patienten mit ihren Nöten bestimmen den Alltag auf der Station. Einzig in der Krankenschwester Dagmar findet Manuel eine Seelenverwandte, nicht zuletzt, weil sie ihn an seine verstorbene Verlobte Lenora erinnert. Doch er kann diese Vertrautheit nicht lange genießen, da er sich bei einem Sturz den Arm bricht und deshalb kurzfristig auf die Chirurgie verlegt wird. Dadurch wird übersehen, dass er sich eine Erkältung zugezogen hat, die für ihn lebensgefährlich werden kann. Manuels Gesundheitszustand verschlechtert sich dramatisch, bis er erkennt: Ohne Hilfe der Medizin kann er nicht überleben, in einem hektischen, entseelten Krankenhausbetrieb kann er es aber auch nicht mehr. Da taucht der geheimnisvolle demenzkranke Wendelin Weihrauch auf und lehrt ihn eine wertvolle Lektion über das Leben und den Tod. Das Buch ist für mich deshalb ein starker Stoff, weil es einem die Augen öffnet über die so genannten "Behinderten". Marianne Efinger wendet sich diesen (vermeintlich) Benachteiligten zu und lässt uns durch die Hauptfigur erkennen, dass man trotz schwerer Krankheit ein sehr erfülltes, ja glückliches Leben führen kann. Das "Handicap" existiert somit nur im Auge des Betrachters. Im Roman sehen die "Normalen" dies natürlich anders, selbst die besten Freunde verstehen die Hauptfigur nicht wirklich, so dass der Kranke im Grunde immer einsam bleibt - ein existentielles Grundthema. Das Innenleben kann dem Glasknochenmann jedoch niemand nehmen, und dieses Innenleben schildert uns die Autorin als reich, schön und lebensklug. Das "Drumherum" in diesem Roman, die schnörkellose, nüchterne und realistische Beschreibung eines Krankenhauses, macht das Buch noch lesenswerter, da man eine Menge erfährt über den Betrieb, seine Strukturen, Schwächen, Stärken und die Menschen, die hinter all dem stehen. Prädikat: unbedingt lesenswert!